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Promotion - wie l?uft das wirklich, Nina Monowski?

Die Promotion ist der erste Schritt auf dem Weg in die Wissenschaft – ist aber oft mit unsicheren Bedingungen und hoher Arbeitsbelastung verbunden. Nina Monowski arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit?t Bamberg und befindet sich in der Abschlussphase ihrer Dissertation. In diesem Interview berichtet sie, wie ihr Promotionsalltag aussieht, welche Konflikte auftreten k?nnen und welche strukturellen Ver?nderungen im Wissenschaftssystem n?tig w?ren.

 

Interview: Sophia Wagner


Würdest du dich kurz vorstellen und erz?hlen, was du aktuell an der Uni Bamberg machst?

Ich bin Nina Monowski und arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologische Theorie im Rahmen einer 75%-Stelle als Dozentin. Das hei?t, ich gebe Seminare, erstelle Prüfungen und betreue Abschlussarbeiten. Parallel dazu promoviere ich zu religi?sen Rechten in den USA und bin aktuell in der Abschlussphase meiner Dissertation.

 

War dir zu Beginn deines Studiums klar, dass du einmal promovieren m?chtest? Oder wann hast du dich dazu entschieden?

Schon zu Beginn meines Studiums wollte ich Professorin werden, weil ich den Beruf als sinnstiftend empfand und durch Forschung einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wollte. Am Ende meines Masters wurde mir eine Promotionsstelle von einem Professor angeboten. Damit hatte ich gro?es Glück: ich konnte nahtlos weitermachen und in Bamberg bleiben.

 

Neben deiner Promotion arbeitest du am Lehrstuhl. Welche Vor- und welche Nachteile hat das?

Es gibt verschiedene Wege zu promovieren, etwa über ein Stipendium oder eine Anstellung am Lehrstuhl. Ein Stipendium erm?glicht volle Konzentration auf die eigene Forschung, bringt aber oft weniger Einbindung und Austausch mit sich.

Die Arbeit am Lehrstuhl bietet dagegen viel Vernetzung und Einblick in den akademischen Alltag. Gleichzeitig fallen zus?tzliche Aufgaben wie Verwaltung, Kommunikation und Lehre an. Gerade die Lehre ist zeitintensiv, vor allem wenn man sie gut machen m?chte, und steht nicht immer in direktem Bezug zum eigenen Forschungsthema.

 

Wie organisierst du dich zwischen diesen verschiedenen Aufgaben? Wie sieht dein Arbeitsalltag konkret aus?

Da unsere Professur derzeit vertreten wird und die Vertretung nur zu Wochenbeginn vor Ort ist, kümmere ich mich von Montag bis Mittwoch um Lehrstuhlaufgaben und halte meine Seminare. Donnerstag und Freitag nutze ich, um an meiner Doktorarbeit zu schreiben.

 

Abgrenzung f?llt nicht allen Menschen leicht: Nimmst du dir wirklich am Wochenende frei?

Im Wissenschaftssystem gibt es keine Zeiterfassung, und ?berstunden sind weit verbreitet. Ich habe eine 75%-Stelle, arbeite aber faktisch deutlich mehr. Gerade am Anfang habe ich mich stark an meinem Umfeld orientiert, in dem auch am Wochenende gearbeitet und auf E-Mails reagiert wurde. Besonders vor Konferenzen oder bei der Vorbereitung von Forschungsreisen habe ich h?ufig am Wochenende gearbeitet. Mit der Zeit habe ich gelernt, mich besser abzugrenzen. Inzwischen arbeite ich am Wochenende kaum noch und beantworte auch keine Mails mehr – und habe festgestellt, dass nichts Schlimmes passiert.

 

Wie warst du w?hrend deiner Promotion besch?ftigt?

Zu Beginn hatte ich eine kombinierte Stelle aus Projekt- und Lehrstuhlanteilen, was für mich eher eine Doppelbelastung war, da viele unterschiedliche Aufgaben erfüllt werden mussten. Sp?ter war ich zeitweise ausschlie?lich im Projekt und danach nur noch am Lehrstuhl t?tig. Insgesamt bin ich inzwischen im siebten Jahr meiner Promotion und hatte ebenso viele Arbeitsvertr?ge – der kürzeste lief nur zwei Monate. Oft war es bis zum Ende unsicher, ob der Vertrag verl?ngert wird. Das ist allerdings auch ein extremes Beispiel, das daran liegt, dass die Professur gerade unbesetzt ist und die Uni daher nur kurze Vertr?ge vergeben kann.

 

Inwiefern spielt das Wissenschaftszeitvertragsgesetz für dich konkret eine Rolle?

Das Gesetz legt fest, dass man in der Qualifikationsphase maximal sechs Jahre an der Universit?t besch?ftigt sein kann. Aufgrund der Pandemie wurde mir ein zus?tzliches Jahr gew?hrt, sodass ich nun im siebten Jahr bin.

Konkret bedeutet das, dass meine Zeit an der Universit?t nach dem Sommersemester endet – unabh?ngig davon, ob ich meine Promotion bis dahin abgeschlossen habe oder nicht. Das führt zu schwierigen Situationen: Manche gehen danach bewusst in die Arbeitslosigkeit, um ihre Dissertation fertigzustellen. Andere suchen sich eine neue Stelle, was es aber oft erschwert, die Promotion parallel abzuschlie?en.

 

Welche strukturellen Ver?nderungen sind deiner Ansicht nach n?tig?

Das gr??te Problem ist das Sonderbefristungsrecht. Ich pl?diere nicht für eine generelle Entfristung, aber es sollte vorhersehbare Bedingungen geben, die zu einer Entfristung führen. Aktuell arbeitet der wissenschaftliche Mittelbau fast ausschlie?lich befristet, w?hrend unbefristete Stellen überwiegend Professorinnen vorbehalten sind.

Ein weiteres strukturelles Problem sind die Abh?ngigkeitsverh?ltnisse in der Wissenschaft: H?ufig sind Betreuer*innen gleichzeitig Vorgesetzte am Lehrstuhl und Gutachter*innen der Dissertation. Diese Mehrfachrolle kann ein erhebliches Machtgef?lle erzeugen. In anderen L?ndern wird Betreuung und Bewertung st?rker getrennt.

Hinzu kommen die geringen Arbeitsmarktchancen nach der Promotion. Viele hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen konkurrieren um vergleichsweise wenige Professuren. Dieser Flaschenhals führt dazu, dass viele das System verlassen müssen, ohne klare Perspektiven für ihren weiteren Berufsweg. Hier sollte der ?bergang nach der Promotion besser geregelt werden.

 

M?chtest du nach deiner Promotion in der Wissenschaft bleiben?

Obwohl ich ursprünglich Professorin werden wollte, habe ich nach einem Jahr im Wissenschaftssystem gemerkt, dass ich diesen Weg nicht gehen m?chte. Mich schreckt der Konkurrenzdruck zu sehr ab. 

Wenn ich weiterhin am Lehrstuhl arbeiten k?nnte, würde ich das tun – allerdings ohne das Ziel einer Professur. Ich sehe auch viele gute Seiten im Wissenschaftssystem: die inhaltliche Freiheit, selbstst?ndiges Arbeiten und die M?glichkeit, Wissen weiterzugeben. Ohne den starken Leistungsdruck w?re das für mich ein attraktives Arbeitsumfeld.

 

Was h?ttest du gerne gewusst, bevor du dich zur Promotion entschieden hast? Welche Informationen h?tten dir geholfen?

Ich würde mich wieder für eine Promotion entscheiden, weil für mich die positiven Aspekte überwiegen. Kritisch sehe ich vor allem die strukturellen Rahmenbedingungen, nicht die T?tigkeit an sich.

Rückblickend würde ich einzelne Dinge anders machen. Ich habe damals eine Stelle angenommen, obwohl mich das Thema nicht zu hundert Prozent begeistert hat, weil ich Angst hatte, sonst nichts zu finden. Dabei gibt es viele Promotionsstellen, und ich h?tte mir gewünscht, den Mut zu haben, etwas w?hlerischer zu sein und mich gezielt auf Stellen zu bewerben, die besser zu mir passen.

Au?erdem h?tte ich gerne früher gewusst, wie wichtig Abgrenzung ist. Gerade am Anfang macht man oft alles mit, weil man die Erwartungen noch nicht kennt. Dabei ist es v?llig legitim, Grenzen zu setzen – etwa am Wochenende nicht zu arbeiten.

 

Weitere Informationen zu Nina Monowski finden sich auf der Website des Lehrstuhls für soziologische Theorie